, Preukschat Uwe

Fehlerkultur im Verein. Ein Anfang

Ein Erlebnis vom letzten Herbsturlaub hat mich veranlasst, das Thema Fehlerkultur im Verein aufzugreifen. Es soll unser aller Sicherheit dienen.

 

Wer das DHV Magazin Nr. 247 noch in Erinnerung hat, wird sich vielleicht an den Appell von Karl Slezak zum Thema Fehlerkultur im Verein erinnern. Ich möchte diesen Ball aufgreifen und auch versuchen dies im Para-Ski-Club salonfähig zu machen. Beginnend mit VORmachen.

Zunächst die Beschreibung des Vorgangs: Am 21. September hatte ich bei einem Flug vom Speikboden einen deftigen Verhänger/Knoten in der oberen Leinengalerie. Der Fehler war nicht zu beheben. Es war seit vielen Jahren der erste Verhänger an den ich mich erinnere.

Was will ich mitteilen? Gemäß der Logik, dass nicht jeder jeden Fehler selbst machen muss, habe ich versucht den Ablauf zu analysieren und die Fehlerkette aufzuzeigen und meinen Fliegerfreunden mitgeben.

Die Fehlerkette: Ich habe mir seit Jahren einen Routineablauf antrainiert, der mit dem Öffnen des Packsacks beginnt. Ab dann bin ich hoch konzentriert und reihe Prozessschritt an Prozessschritt. Abgeschlossen ist der ganze Ablauf, wenn der Start fehlerfrei war.

Diesen Ablauf habe ich am betreffenden Tag nicht eingehalten. Abgelenkt durch eine große Masse an Drachenfliegern, die große Bereiche der Vorbereitungszone beansprucht haben und einen einheimischen Tandempiloten, der trotz Idealbedingungen nicht zum Start in der Lage war, habe ich mich aus der Ruhe bringen lassen. Dazu wollte ich einem Fliegerkollegen beim Auslegen behilflich sein.

Erschwerend kommt am Speikboden hinzu, dass das Gelände sehr mit Steinen durchsetzt ist und die Vorbereitung per se nicht einfach ist. Eingeengte Verhältnisse der Startplätze durch Schneereste taten ihr Übriges.

Und so passierte es, dass ich trotz zum-Schirmgewandtem-Aufziehen (rückwärts) nicht erkannt habe, dass in der oberen rechten Galerie ein Knoten bei Bremsleinen, Stabilo und äußerer C-Leine vorhanden war.

Ob eine sorgfältigere Leinenkontrolle hier geholfen hätte, kann ich nicht beantworten, geschadet hätte es nicht. Zumindest ein sauberes Hochziehen und nochmaliges Ablegen hätte mir wahrscheinlich aufgrund des unterschiedlichen Steuerdrucks ein Indikator sein können.

Was lief gut? Nun, sofort nach dem Abheben war mir klar, dass es ein Problem gibt, da der Schirm nach rechts drehen wollte. Nicht stark, aber spürbar. Mit schwacher Korrektur nach links habe ich zunächst für Geradeauslauf gesorgt und bin ausreichend weit vom Hang weg geflogen. Dann erst erfolgte eine Sichtkontrolle und Reparaturversuche. Als sich weder Bremsbewegungen noch Stabilogezerre als wirkungsvoll erwiesen haben, fiel die Entscheidung den Schirm mit langsamen Kreisen zur „gesunden“ Seite über den Landeplatz zu bringen. Dies sowie die Landung erfolgten problemlos.

Fazit: Außer einem versäumten Thermikflug ist nichts weiter passiert. Dennoch ist es mir wichtig, dass ich das Erlebte wiedergebe und zum Nachdenken anrege.

Ich kreide mir an, mich durch äußere Einflüsse, die ich nicht verändern konnte (erhöhter Betrieb, Tandemgezausel) meine Startroutine nicht eingehalten habe. Wenn ich künftig Fliegerkollegen helfen will, dann tue ich das außerhalb dieser Routine, wie ich es z.B. am Vortag praktiziert habe. Die dünnen Leinen moderner Schirme dürfen auch gerne öfter kontrolliert werden.

Gut hingegen waren die Reaktionen ab dem Moment, wo klar war, dass es einen irreparablen Verhänger gab.

Mein Appell:

  • Lasst Euch ab dem Moment der beginnenden Startvorbereitungen nicht ablenken.
  • Achtet auf eure Abläufe.
  • Wenn etwas unklar oder unsauber ist, bewegt euch zuerst in den freien Luftraum und werkelt erst dann an Lösungen.
  • Sind die Probleme schwerwiegender, nutzt den Retter!

Hinweis unseres Fluglehrer Robb zum konkreten Fall: Ein Haupt- Problem beim stabilen Verhänger ist der einseitig hohe Widerstand. Wenn genug Höhe vorhanden- und der dann Flugweg frei ist, kann man diesen Widerstand symmetrisch machen, indem man beidseitig die Ohren anlegt. Man sollte das auf jeden Fall tun, bevor eine Rotation einsetzt.